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Waffenbau

Tja, Waffenbau, das hört sich an, als wollte ich mich hier der Schmiedekunst widmen. Dem ist aber nicht so. Denn die Waffen, die im Live-Rollenspiel benutzt werden, sind alles andere als stählern, sondern eher aus Schaumstoff.

Die hier genannten Materialien sind zum Teil nicht überall zu bekommen. In der LARP-FAQ findet man viele Tips & Tricks und auch Bezugsquellen.

Das Material

Das Grundmaterial von Latex-Waffen (dabei hat "Latex" nichts mit dem Text-Satzprogramm "LaTeX" zu tun, aber auch die seltsame Kleiderwahl gewisser Damen hat hiermit nur entfernte Ähnlichkeit ;-) ist Schaumstoff. Das übliche Schaumgummi eignet sich nicht, es ist zu weich und kann nur schwer bearbeitet werden. Besser geeignet sind Matten wie z.B. die üblichen Camping-Isomatten. Es gibt auch in einige Läden spezielle Matten, die aus sehr kleinen Poren bestehen und darum angenehm zu verarbeiten sind.

Das "Innenleben" ist natürlich ein festerer Kern. Schlecht geeignet ist normales Holz (es bricht zu leicht) oder gar Metall (abgesehen von Aluminium zu schwer, und Alu biegt zu leicht). Bambus oder Rattan soll ganz gut gehen, aber da habe ich keine Erfahrung. Ich rate eher davon ab, weil die leicht splittern.

Sehr gut geeignet ist ein Stange aus Fiberglas (auch CFK-Stäbe gehen): sie ist sehr flexibel, trotzdem steif genug und robust (Kohlefaserstäbe sind weniger geeignet, weil sie splittern). Solche Stangen bekommt man evtl. in gut sortierten Bastelläden oder Geschäften mit Drachenbedarf. Es gibt spezielle eckige Stangen, die man meist nur im Versand bekommt.

Zur Bearbeitung der Schaumstoffmatte eignet sich entweder ein sehr scharfes Messer, welches man immer wieder nachschärfen kann, oder so ein Paketmesser mit auswechselbarer Klinge (gleich ein Zehnerpack mitnehmen!).

Als Kleber hat sich bei mir Pattex transparent durchgesetzt. Im Gegensatz zum normalen Pattex läßt sich dieser leichter streichen. Vorsicht, giftige Dämpfe! Leider sind die Lösungsmittel in Pattex recht heftig, also möglichst draußen verarbeiten. In jedem Fall sollte man sich hier eine Dose kaufen, eine Tube ist meist zu wenig; sparen am falschen Ende macht die Waffe hinterher nur schneller kaputt (man bedenke, daß damit aufeinander eingeschlagen wird!), und so viel mehr kostet eine große Dose auch nicht. Zum Verstreichen sollte man entweder einen Metallspachtel oder einfach ein Stück der Schaumstoffmatte nehmen.
Jemand sagte mir, er habe mit Schusterleim sehr gute Erfahrung gemacht.
Um kleine Löcher aufzufüllen oder die Stange zu fixieren benutze ich klare Silikonmasse (hält aber nicht so gut) oder viel Pattex (die eckigen Fiberglasstangen passen natürlich besser).

Letztlich wird jede Latex-Waffe mit Latex-Milch bestrichen (daher der Name :-). Latex-Milch ist leider nur schwer zu bekommen, und oft zu astronomischen Preisen... Mit etwas Glück bekommt man welche beim Theater-Bedarf, ansonsten im Internet-Versand.
Ein Liter reicht für zwei bis drei Waffen, da mindestens fünf Anstriche für eine haltbare und deckende Schicht nötig sind. Latex-Milch läßt sich recht gut streichen (der Pinsel ist allerdings anschließend nur noch dafür brauchbar, da die getrocknete Latex-Milch die Haare verklebt; es geht auch ein Stück der Schaumstoffmatte), und 4:1 mit Wasser verdünnt auch recht gut mit dem Airbrush auftragen. Ich habe auch von jemandem gehört, der seine seine Latex-Waffen in Latexmilch tunkt - das ergibt eine superglatte Oberfläche (man muß nur ein entsprechend hohes und gut verschließbares Gefäß haben).

Tropfen auf dem (Fliesen- oder Stein-)Boden kann man getrocknet so wieder abknibbeln, allerdings läßt sich Latex-Milch aus Stoff und Teppich nicht wieder rauskriegen! Ein Tip, den ich per eMail bekam: den Stoff ca. eine Woche einfrieren; dadurch soll sich das Gummi total zersetzen.

Latex-Milch stinkt fürchterlich nach Ammoniak, also auch nur draußen verarbeiten!

Als Farben eignen sich wasserlösliche Farben (ich benutze Dekra-Lack), denn sie lassen sich gleich unter die Latex-Milch mischen. Dabei nicht vergessen, daß die Milch fast durchsichtig wird, also um einiges nachdunkelt. Nachträglich aufgetragene Farben reiben sich meist schnell ab.
Als Finish kann man z.B. sog. Elefantenhaut auftragen. Dadurch wir die Oberfläche etwas robuster und weniger "gummiartig". Einige Finishe werden aber hart und spröde, im Zweifelsfall also ausprobieren.

Vorsicht bei Metallic-Farben. Viele Metallic-Farben enthalten Pigmente mit Metall-Anteil; diese Pigmente haben die Eigenschaft, das Latex anzulösen: die Waffe wird sehr klebrig (sog. "Latexpest" oder "Latexpocken")! Dies kann sogar andere Waffen befallen, die keine Metallarbe haben.
Viele Gold-, Bronze- und Kupfertöne enthalten Metalle, Silberfarben dagegen meist selten.

Der Aufbau

Bei der Form der Waffe sollte folgendes beachtet werden:

  • seitlicher Abstand des Kerns zur Schaumstoffmatte: mindestens 1cm
  • Abstand vorne und hinten (also in Längsrichtung): mindestens 5cm

Ein Schwert

Ein Schwert besteht normalerweise aus drei Schichten: zwei umhüllenden Schichten und einer Schicht mit dem Kern.
Nachdem man sich eine ungefähre Form aus Papier geschnitten hat, schneidet man diese dreimal aus dem Schaumstoff aus; dabei sollte man nicht zu pingelig sein, eher ein wenig mehr, es muß sowieso nachbearbeitet werden. Die so entstandenen Teile sollte man beidseitig mit 100'er Schmirgelpapier anrauhen - dann haftet der Kleber besser.

Das Material

Danach sägt man sich die Stange passend und schneidet ein passendes Loch in eines der Teile. Nun klebe man das Mittelteil auf ein Seitenteil. Ordentlich festdrücken! Jetzt die Stange anrauhen, schön viel Silikonmasse in das Loch reinschmieren und reindrücken, mit Silikon auffüllen und glattstreichen. Silikonmasse, die auf die Matte geschmiert wurde, kann man nach dem Trocknen wunderbar abzupfen.

Vorsicht! Fiberglasstangen hinterlassen hochfeinen Glasfaserstaub, wenn man sie sägt oder schleift! Nur draußen und am besten mit einem Atemschutz verarbeiten!

der Kern im Schwert

Die Stange sollte man mit einem Schnipsel Leder oder Stoff gegen herausstoßen aus der Spitze schützen! Auch ein kurzer Gartenschlauch geht sehr gut: er ist einerseits flexibel, andererseits fest genug, um ein Abbrechen zu verhindern.

der Kern im Schwert, geschützt

Wenn alles getrocknet ist, klebt man die dritte Schicht oben drauf; auch hier wieder tüchtig pressen, es hält sonst nicht! Wieder trocken lassen.
Nun kann man den Rohling bearbeiten und ihm die endgültige Form geben. Hierbei ist der Phantasie keine Grenze gesetzt, auch sehr kleine Details bleiben nach dem Anstrich mit Latex-Milch erhalten.

das Schwert in Form gebracht

Schließlich wird das Schwert angestrichen. Als Grundfarbe für Metall nehme ich ein recht dunkles Grau, dem etwas Silberfarbe zugefügt ist. Im Bild sieht man das Schwert, eine Axt und ein Schlachterbeil. Das Schwert ist deswegen so unregelmäßig hell, weil die Latex-Milch gerade erst aufgetragen wurde und noch nicht getrocknet ist.

Das Schwert mit Latex-Milch bestrichen

Hier nochmal der fertig bemalte Griff.
Später wurde der Griff mit blauem Samt umwickelt (mit Teppichklebeband fixiert) und mit einem dunkelrotem Lederband verziert.

der fertige Schwertgriff

So, wenn nichts schiefgelaufen ist, sollte man nun sein Latex-Schwert in der Hand halten. Weil das Gummi auf der Haut so schön ratschen kann, pudern wir unsere Schwerter immer mit Babypuder oder Talkum (notfalls Mehl) ein. Den Griff kann man z.B. mit Lederresten umkleben, er ist dann "griffiger" und etwas stabiler.
Man kann den Griff auch sehr fest mit fingerdickem Seil umwickeln. Dadurch wird er angenehm fest.

Eine Axt

Bei einer Axt bietet sich an, den Stiel aus einer Heizungsisolierung herzustellen (zu finden in Baumärkten). Die Klinge sollte man dann in den Stiel einsetzen, in etwa so:

Axt Rohbau

Ansonsten verfährt man ähnlich wie beim Schwert. Die mittlere Schicht kann man entweder aus einer oder aus zwei Schichten machen (also dann vier Schichten insgesamt), und man sollte sie nicht um den Kern herumkleben, sondern eher vorne und hinten drankleben (sie werden dann ja von den umschließenden Schichten gehalten).

Hier die Axt fertig bemalt; der Griff wurde später mit Leder umklebt.

eine Polsteraxt

So, das war's von meiner Seite zum Waffenbau. Es ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluß, und es gibt -zig andere Varianten. Selbstgebaute Schwerter sind zwar manchmal nicht so "schön" wie gekaufte (die "Profis" haben einfach mehr Erfahrung, die man sich natürlich auch aneignen kann), dafür kosten sie nicht mal die Hälfte.

Wer ganz schnell eine "Pompfe" (das bezeichnet entweder eine keulenartige Waffe oder ein billig hergestelltes Schwert) braucht, nehme eine Rohrisolierung, einen Fiberglasstab und umwickle das ganze fest mit silbernem Panzerband. Wenn man nämlich hinterher feststellt, daß Live-Rollenspiel doch nichts für einen ist, hat man keine 50-250 Euro in die Waffe gesteckt, damit sie dann in der Ecke verstaubt...

© 2005 Henning Peters